Emigration


Emigration von den Kanaren
Die Emigration der Kanaren hat eine lange „Tradition“. Schon im 16. Jahrhundert beginnen Familien oder Einzelpersonen aus Lanzarote, El Hiero, La Gomera und später auch von Gran Canaria, Teneriffa und La Palma auszuwandern. Die Emigration erfolgte auf königlichen Beschluss, spontan oder ohne offiziell registriert zu werden, so zum Beispiel durch Bestechung von Schiffskapitäten oder anderen Schiffsangestellten. Es gab verschiedene Gruppen von Auswanderern. Ein grösserer Teil gehörte dem höheren Stand der kanarischen Gesellschaft an und wird zu den Eroberern gerechnet. Dann gingen viele Seeleute, angefangen von den Matrosen bis hin zu den begehrten Kapitänen, auf die grosse Reise. Weiter gab es die Alleinreisenden, zwischen 1492 (auf den Kanaren wird die Inquisition eingeführt) und 1506 verliessen mehr als 100 Menschen die Inseln, schon Mitte des Jahrhundert waren es 1000. Auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen verliessen aber auch viele Familien meistens der höheren Mittelklasse die Inseln. Ihr Ziel waren meistens die Antillen, Neuspanien, Venezuela, später Peru etc.
Im 17. und 18 Jahrhundert wurde die Auswanderung weitgehend erzwungen. Aber auch die Pest 1601, der Vulkanismus vor allem zwischen 1730 bis 1736 oder die Dürreperiode zwischen 1768 und 1771 liessen viele Überlebende ihre Zelte freiwillig abbrechen. Zudem mussten die eroberten Gebiete in Übersee im Konkurrenzkampf der Kolonialisierung gegen Frankreich und England besiedelt werden. Zieldestinationen waren in dieser Epoche Texas, Golf von Mexiko, Florida und Santo Domingo. Die Umgesiedelten sollten dort neue Siedlungen gründen. Soldaten waren gefragt als Festungsbesatzungen.
Im 19. Jahrhundert standen die Auswanderungen mit folgenden Faktoren im Zusammenhang:
– Überbevölkerung
– Trockenheit vor allem 1877-78 mit nachfolgendem Zusammenbruch der Wirtschaft
– politische Lage (Feudalismus gegen Wirtschaftsbürgertum) mit hohen Preisen, niedrigen Arbeitslöhnen und landwirtschaftlicher Krise
– Steuerzwang
– geographische Lage, letzte Vulkanausbrüche 1824
– Einladungsbriefe
– Propaganda
– Migrationspolitik der spanisch-amerikanischen Republiken
– Rolle des südamerikanischen Einwohners und der Inselregierungen
– Migrationstradition
– Epidemien
– Flucht vor Militärdienst
Das wichtigste Zielland war gemäss den Dokumenten der Verwaltungen der kanarischen Inseln im 19. Jahrhundert Kuba, wo 83% der Auswanderer hinzogen (über 23’000 Menschen), gefolgt von Venezuela (8%), Uruguay, Porto Rico, Argentinien, Mexiko, Brasilien und Costa Rica.

Museum für Emigration auf Santa Barbara (Teguise), Francisco Morales Padrón, Die kanarischen Inseln und die Auswanderungspolitik nach Südamerika, Julio Hernández Garcia, Las Palmas 1987 und diverse Reiseführer

Advertisements

~ von swissfoto - 9. März 2010.

Eine Antwort to “Emigration”

  1. Danke, interessante Information!

    Gruß Bärbel

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: