Der Mann von fünfzig Jahren

Der Mann von fünfzig Jahren

Von der Wiege bis zur Bahre
sind es fünfzig Jahre,
dann beginnt der Tod.
Man vertrottelt, man versauert,
man verwahrlost, man verbauert
und zum Teufel gehn die Haare.
Auch die Zähne gehen flöten,
und statt dass wir mit Entzücken
junge Mädchen an uns drücken,
lesen wir ein Buch von Goethen.

Aber einmal noch vorm Ende
will ich so ein Kind mir fangen,
Augen hell und Locken kraus,
nehm´s behutsam in die Hände,
küsse Mund und Brust und Wangen,
zieh ihm Rock und Höslein aus.
Nachher dann, in Gottes Namen,
soll der Tod mich holen. Amen.

Hermann Hesse (1877-1962)

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~ von swissfoto - 23. März 2012.

Eine Antwort to “Der Mann von fünfzig Jahren”

  1. Ach ja, der liebe alte Hesse.
    Heutzutage leben wir länger. Und – es ist nie zu spät sich zu verlieben.

    Lieben Gruss und Frühlingsgefühle ^^
    sonja

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