Dorfbach-Quartier in Schwyz

Dorfbach-Quartier
Ein altes Quartier in Schwyz. Häuser, die zum Abbruch bereit stehen. Nun ist unter der Täferung ein Fenster aus dem Mittelalter freigelegt worden. Die Überraschung ist die, dass die Häuser nicht wie vermutet aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammen, sondern viel älteren Datums sind, wie die Analyse der verwendeten Hölzer ergab. Der Häuserkern stammt nun aus dem Jahre 1308. Die Archäologen fanden weiter eine im Original erhaltene Stube von 1310, Wandmalereien von 1520, eine alte Münze (Basler Rappen) sowie einen Lederbeutel. Anhand dieser Funde (Raumgrösse, Ausschmückung) wird gedeutet, dass dies eher ein wohlhabenderes Quartier (wirtschatlich bedeutsame Leute mit politischem Einfluss zu Zeiten der Schlacht am Morgarten 1315) gewesen sein musste, bisher war immer angenommen worden, dass hier das Gewerbe ansässig war, das die Wasserkraft des Baches nutzte.
Bote der Urschweiz, 24.10.2013 Seite 3 und 25.10.2013 Seite 5

700-jährigen Häusern droht der Abriss
In Schwyz wurden Gebäude aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Alle Versuche, die historisch wertvollen Häuser vor dem Abbruch zu retten, blieben bisher erfolglos. Nun versucht derHeimatschutz, einen weiteren Fall zu verhindern.
Erich Aschwanden, Schwyz

«Machen Sie sich bitte nicht zu Totengräbern der Vergangenheit!» Diesen dramatischen Appell richtet Walter Eigel in einem offenen Brief an die Schwyzer Regierung. Der Präsident des Schwyzer Heimatschutzes interveniert in einem Fall, der im Kanton seit mehreren Wochen für Gesprächsstoff sorgt. Ende Oktober machte die Lokalzeitung «Bote der Urschweiz» bekannt, dass in Abbruchobjekten im Kantonshauptort zwei Häuserkerne aus den Jahren 1308 und 1310 gefunden wurden. Aufgrund der grosszügigen Räume und der reichen Ausstattung gehen die Experten davon aus, dass hier im Spätmittelalter begüterte Leute gelebt haben.
Ausgelöschte Erinnerung

Obwohl es bereits fünf nach zwölf war, setzte der Schwyzer Heimatschutz alle Hebel in Bewegung, um die mehr als 700 Jahre alten Gebäude doch noch unter Schutz zu stellen. Rechtlich gibt es dafür kaum eine Handhabe, sind doch die Holzhäuser im Dorfbachquartier nicht im kantonalen Schutzinventar enthalten. Zudem ist der Gestaltungsplan für den Neubau bereits behördlich genehmigt. Mitte November befasste sich der Regierungsrat mit der emotionalen Angelegenheit und entschied, am genehmigten Gestaltungsplan festzuhalten. Gleichzeitig sollen die schützenswerten historischen Baubestandteile für die Nachwelt erhalten bleiben und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nach dem Ausbau der spätmittelalterlichen Strukturen steht also der Abriss an.

Eigel kann darüber nur den Kopf schütteln. In seinem Brief stellt er einen direkten Zusammenhang zu einem bedeutenden Jubiläum der Schweizer Geschichte her: «Wie wollen Sie guten Gewissens in zwei Jahren ‹700 Jahre Schlacht am Morgarten› feiern, wenn Sie kurz vorher die Erinnerung an diese noch erhaltene Umwelt des beginnenden 14. Jahrhunderts auslöschen lassen?», fragt er den Regierungsrat. Er hofft immer noch, dass sich die Regierung dazu durchringt, ein Gutachten der eidgenössischen Denkmalpflege anzufordern. Inzwischen ist auch ein politischer Vorstoss zu den mangelhaften denkmalpflegerischen Abklärungen im Kantonsrat eingereicht worden.
Verstoss gegen Bundesrecht

Wie Landammann Walter Stählin (svp.) auf Anfrage erklärt, sieht die Schwyzer Regierung keinen Anlass, auf ihren Entscheid zurückzukommen: «Der Regierungsrat hat seinen Beschluss nicht leichtfertig gefasst, sondern eine Interessenabwägung vorgenommen.» Mit einem Ausbau der historischen Teile könnten einerseits Kulturgüter gerettet und gleichzeitig private Interessen geschützt werden. Da es sich um eine kantonale Aufgabe handle, sei die Einholung eines Gutachtens der Eidgenössischen Denkmalpflege nicht zwingend.

Während die Häuser im Dorfbachquartier ohne eine Lösung in letzter Sekunde unrettbar verloren sind, macht der Schweizer Heimatschutz auf einen weiteren, ähnlich gelagerten Fall im Kanton Schwyz aufmerksam. In Küssnacht soll das Quartier der Rigigasse stark umgebaut werden. Der Bezirksrat Küssnacht habe den Gestaltungsplan genehmigt, ohne vorher die Untersuchungen vorzunehmen zu haben, um die Bedeutung und das Alter der Häuser festzustellen. «Das ist unsorgfältig und verstösst gegen Bundesrecht», sagt Adrian Schmid, Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes. Wie im Fall der Schwyzer Häuser halte das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) den Substanzschutz fest und weise auf fehlende Bauuntersuchungen hin.

«Die Schweiz blickt auf Schwyz», erklärt Schmid und fordert die Regierung auf, Verantwortung zu übernehmen und umfassende Bauuntersuchungen in die Wege zu leiten. Gemäss Regierungsrat Stählin wurde die kantonale Denkmalpflege eingeladen, zum Gestaltungsplan Stellung zu nehmen. Danach wird der Fall wohl auf dem Pult des Regierungsrates landen, der sich erneut in der undankbaren Rolle des Schiedsrichters befindet, der erst gerufen wird, wenn der Abbruchhammer bereitsteht.
NZZ Freitag 29.11.2013, Seite 13

Advertisements

~ von swissfoto - 28. Oktober 2013.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: